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Berichte:

Reisebericht Äthiopien: August 2014

Reisebericht Indien: Januar bis März 2014

Reisebericht Indien 2013/2014

Reisebericht Kenia 2011

Reisebericht Indien 2011

Reisebericht Kenia und Äthiopien 2010

Filme über die Mary's

 


Filme bei You Tube über die Helpers of Mary

Dadra Film:
http://www.youtube.com/watch?v=SkkTlKWGpK4

Sr. Leela:
http://www.youtube.com/watch?v=fcqpO4Pr-Ik






Reisebericht Äthiopien vom 31.07.2014 - 17.08.2014

Zum wiederholten Mal flogen Inge Spratte-Marzouk und Dr.Bernd Pulsfort mit 3 Mitgliedern der Bartholomäus Gesellschaft e.V. und erstmalig mit einem Mitglied der Andheri- Kinder- und Leprahilfe e.V. Dülmen auf eigene Kosten nach Äthiopien und besuchten die Stationen der Helpers of Mary.
Am Donnerstagvormittag, dem 31.07.2013 begann für unsere Gruppe [ Ulrike und Cord Arkenau (Kronshagen), Sebastian Madderken (Osnabrück), Inge Spratte-Marzouk und Bernd Pulsfort (Lingen) als Mitglieder der Bartholomäus Gesellschaft e.V. und Bernd Schmitz (Dülmen) von der Andheri Kinder- und Leprahilfe Dülmen die Reise in ein unseren erstmalig Mitreisenden noch unbekanntes Land.
Ganz bewusst hatten wir unsere Flüge von Düsseldorf bzw. Hamburg kommend über Istanbul ( als gemeinsamen Treffpunkt) gebucht, da wir mit Turkish Airlines die Möglichkeit hatten pro Person 2 x 23 Kg Gepäck mitzunehmen. Paketsendungen nach Äthiopien sind mit ca. 93 € pro 20 Kg extrem teuer und wir konnten hierdurch den Schwestern über 138 Kg nützliches Material direkt und "frei Haus" mitbringen.
Um kurz nach Mitternacht landeten wir pünktlich in Addis Abeba und waren wie immer von einer gewissen Spannung erfüllt, in Erwartung dessen, was wir bei dieser Reise erleben würden. Nachdem unser knapp 6 Zentner wiegendes Reisegepäck vollständig angekommen war und wir die etwas risikobehaftete Zollabfertigung überwunden hatten, konnten wir das Flughafengebäude verlassen und gelangten ins Freie, ja man könnte sagen an die Luft. Und was für eine Luft: Diese Stadt hat ihre eigene Luft, ihren eigenen "Duft". Das ist Addis. Diesen Duft muss man ganz tief inhalieren und dieses Gefühl in sich aufsaugen.
Die Schwestern erwarteten uns schon sehnsuchtsvoll vor dem Flughafengebäude, sie dürfen das Gebäude aus "Sicherheitsgründen" ohne Flugticket nicht betreten.

  • im Slum im Slum

    Von links oben: Dr. Bernd Pulsfort, Sebastian Madderken, Sr. Pratiksha, Inge Spratte-Marzouk, Sr. Lourdes, Bernd Schmitz, Dr. Cord Arkenau, Sr.Carmina, Ulrike Arkenau
    Von links unten: Zwei Anwärterinnen und eine der ersten vier äthiopischen Schwestern, Sr. Alametu

Vor 15 Jahren wurden die Marys nach Äthiopien gerufen. Ein holländischer Bischof bat die Schwestern, einige von europäischen Schwestern verlassene Hilfsstationen zu übernehmen. Diesem Ruf wollten sich die "Helpers of Mary" nicht entziehen. So begann ihr segensreiches Wirken in einem für sie fremden Land und in fremder Kultur.
Inzwischen sind bereits vier äthiopische Schwestern ausgebildet und auch für die nächsten Jahre ausreichend Anwärterinnen vorhanden.
In der Hauptstadt Addis Abeba haben die "Marys" ihre Zentralstation, die durch deutsche Spendengelder finanziert wird. Von hier aus werden drei Außenstationen, die weit im Landesinneren liegen, betreut. Wir haben alle Stationen besucht.
Hier darf man sich allerdings nicht eine Fahrt wie auf Deutschlands Straßen vorstellen. Die insgesamt rund 2.000 Kilometer führten teilweise über halsbrecherische Pisten und durch Bachläufe. Die am weitesten entfernte Station Sakko liegt kurz vor der sudanesischen Grenze und ist bei Regenwetter selbst mit dem Allradjeep nicht immer erreichbar.

  • Der Jeep sitzt fest im Slum

    Der Jeep sitzt fest

  • Kinder am Wegesrand Kinder am Wegesrand

    Kinder am Wegesrand

Vor Ort gibt es keinen Handyempfang, in der Regel keinen Strom, nur manchmal gibt es Wasser aus der Leitung. Unter diesen Voraussetzungen betreuen fünf Schwestern rund 12 000 Menschen. All diese Menschen leben in bitterster Armut. Wir haben uns die Behausungen der Menschen angesehen: Einige Bambusstangen in die Erde gesteckt um eine Fläche von circa drei mal vier Meter. Bambusblätter dienen als Windschutz – die Tagestemperaturen lagen bei etwa 12 Grad.
Eine offene Feuerstelle, ein Schlafplatz aus Bambus, eine verfilzte Decke. In so einer Hütte leben bis zu acht Menschen, manchmal noch eine Ziege oder ein bis zwei Hühner. Für uns unvorstellbare Zu-stände. Die Menschen dort besitzen in der Regel nur ihre Lumpen, die sie am Körper tragen. Eine Schwester zeigte uns einen Mann, der einen völlig durchlöcherten Pullover trug. "Den Pullover haben wir ihm vor etwa drei Jahren geschenkt. Er hat nur diesen einen und trägt ihn Tag und Nacht", sagte uns die Schwester.

  • Vor einer der Hütten Vor einer der Hütten

    Vor einer der Hütten

  • in einer Hütte in einer Hütte

    in einer Hütte

  • in einer Hütte in einer Hütte

    in einer Hütte

Das Projekt "feeding program" liegt den Schwestern in den ländlichen Stationen besonders am Herzen.
Die Situation vieler Familien im südwestlichen, ländlichen Äthiopien, fernab der Hauptstadt Addis Abeba, ist erbärmlich. Kleinste Parzellen dienen Familien als Anbaugebiet für Mais, dem Hauptnahrungsmittel. Wilde Paviane, Dürre und unzureichende landwirtschaftliche Geräte sind die Hauptgründe für häufige Missernten. Die Leidtragenden dieser Misere sind zuerst die Schwächsten der Gesellschaft: die Säuglinge und Kleinkinder.
Diese Kinder sind unter- und mangelernährt, sterben oft vor Erreichen des fünften Lebensjahres einen qualvollen Hungertod, im günstigsten Fall verzögert sich ihre körperliche und geistige Entwicklung stark.
Mit ihrem Kinderernährungsprogramm erreichen die Schwestern Familien in ihrer Umgebung, die nicht in der Lage sind, ihre Kleinst- und Kleinkinder ausreichend zu ernähren, indem sie die Familien regelmäßig mit einem nahrhaften Getreide-Öl-Gemisch versorgen.

  • im Slum im Slum

    Eine sehr arme Familie, die ins feeding program aufgenommen wurde.

  • in der Schule in der Schule

    Die Zwillinge sind bereits viereinhalb Jahre alt, jedoch kaum in der Lage allein zu gehen.

Schuhe für die Menschen sind die Ausnahme. Durch Barfußlaufen dringt Aluminiumsilikat in offene Wunden und es entstehen sehr häufig Infektionen. Dadurch, dass das Aluminiumsilikat sich an Lymphknoten festsetzt, kommt es oft zu der sogenannten „Elefantiasis“: Die Lymphe kann nicht mehr abfließen, die Füße schwellen stark an und nehmen die Form eines Elefantenfußes an. Sie eitern, es setzen sich Maden in die Wunden und so riechen sie extrem übel. Was wir dort sehen, erschüttert uns immer wieder auf das Tiefste.
Auf der anderen Seite sind wir von der professionellen und liebevollen Hilfe der, Marys’ begeistert. Völlig selbstverständlich wird jeder Patient so gut und liebevoll wie möglich gepflegt und versorgt. Die Bartholomäus Gesellschaft hat zwei Schuhmacher ausgebildet, um für die Elefantiasis-Patienten Spezialschuhe selber anzufertigen.

  • im Slum im Slum

    Elephantiasis-Patientin

Trotz allen Elends sind die Marys keine Kinder von Traurigkeit. Im Gegenteil: Mit ihrer Lebensfreude und Begeisterung für ihre Tätigkeit stecken sie viele andere an – so auch uns. Wir sind bei jedem unserer Besuche zutiefst beeindruckt von dem, was wir mit den "Marys" erleben und sehen.
Wir besuchten auch "unser Dorf" Lagalomi. Umwerfend, wie schnell ein komplettes Dorf mit Infrastruktur unter Anleitung der Schwestern und mithilfe der deutschen Spender aufgebaut werden konnte.

  • im Slum im Slum

    Empfang in Lagaloumi

Noch 2010 lebten diese Menschen als Hungerflüchtlinge aus dem Oste Äthiopiens unter zerrupften Plastikplanen. Wind, Wetter und wilden Affen ungeschützt ausgesetzt.
Die Mitglieder der Bartholomäus Gesellschaft spendeten für den Bau von Häusern 200.000 Euro, aus den Niederlanden kamen Sachspenden, die Menschen vor Ort arbeiteten unter der Anleitung der Schwestern und so entstand innerhalb kürzester Zeit eine neue Heimat für die Flüchtlinge.
Inzwischen gibt es fünf Moscheen, eine Schule, eine Ambulanzstation der Helpers of Mary und viele kleine Geschäfte. Es wurde ein Ortsvorsteher (siehe Foto) gewählt, der als Ansprechpartner für die Schwestern fungiert und dem die Menschen ihre Sorgen und Wünsche anvertrauen.

  • im Slum im Slum

    Der Ortsvorsteher von Lagaloumi

Fazit: Lagalomi ist ein sehr gelungenes Projekt, das deutlich macht, wie effektiv Hilfe eingesetzt werden kann, damit sich daraus Selbsthilfe entwickelt.

Kinder in Lagalomi

In den einzelnen Stationen wurde jeweils mit den Schwestern überlegt und geplant, welche Maßnahmen künftig für die Menschen vor Ort ergriffen werden müssen. Es wurde jeweils eine Aufgabenliste erarbeitet. Diese soll nach Wichtigkeit und Finanzierbarkeit – man ist ausschließlich auf Spenden angewiesen – abgearbeitet werden.
Zurück in der Hauptstadt hat man uns zu einer Schule geführt. Hier warteten etwa 200 alte Menschen auf die `Marys’. Man erklärte uns, dass es ein sogenanntes "Opa-Program"(= Old People in Africa) gibt. Hier werden den alten Menschen einmal im Monat 100 Birr (rund 4 Euro) ausgezahlt und Lebensmittel zur Verfügung gestellt. Auch dieses Programm wie alle anderen wird von den "Marys" über Spenden finanziert. Die Menschen bekommen vom Staat keinerlei Unterstützung wie etwa eine Rente.

Auf unsere Frage an die Schwestern, wie sie diese umfangreiche und in unseren Augen mühsame und aufopferungsvolle Arbeit immer mit einen Lächeln bewältigen, kommt die Antwort: „Live for love“ (Leben für die Liebe). Dies ist das Motto des Schwesternordens der Society oft he Helpers of Mary.
Schon zur Tradition geworden, erfolgte an einem der letzten Tage unseres Aufenthaltes der Anruf des aus Kerala (Indien) stammenden Nuntius von Äthiopien und Djibouti. Der Botschafter des Vatikans, Dr. George Panikulam, lud die "Marys" - denen er in tiefer Verbundenheit mit Rat und Tat zur Seite steht - und uns zum Abendessen in seine Residenz in Addis. Der Nuntius ist uns ein langjähriger Freund geworden, den wir bei vielen Äthiopienreisen, wie auch in diesem Jahr Besuch in Addis Abeba, aber auch im letzten Jahr privat in Indien besuchten.
In diesem Jahr war der Abend getrübt von der Tatsache, dass Dr. George Panikulam aus Äthiopien abberufen wird, um in Uruguay die Nuntiatur zu übernehmen. (Ausdrücklich erwartet er auch dort unseren Besuch…- das sagten wir ihm, wenn immer möglich, gerne zu!) In seiner Tischrede bedankte er sich für die Arbeit der "Marys" und ebenso bei allen Spendern, Helfern und langjährigen Freunden aus Deutschland, ohne deren Einsatz die Arbeit der Schwestern nicht möglich ist!

  • im Slum im Slum

    Dr. George Panikulam, Inge Spratte-Marzouk, Dr. Bernd Pulsfort

Am Sonntag, dem 17.08.2014 hieß es dann Abschied nehmen, von Afrika, von Äthiopien und wirklich beeindruckenden Menschen und vor allem von unseren Schwestern. Unser Rückflug um 01:15 Uhr in die "westliche Zivilisation" sollte uns innerhalb weniger Stunden via Istanbul gegen 11:00 Uhr in heimatliche Gefilde zurückkehren lassen. Eine zu kurze Zeit um wirklich Zuhause anzukommen.
Wir sind uns sicher, diese Reise hat Spuren hinterlassen, ja auch ein wenig in Äthiopien, aber insbesondere in jedem von uns. Dieses Land strahlt aufgrund seiner Menschen, seiner Schönheit aber auch seiner immer offenkundig vorhandenen Gegensätze, die gerade in der bitteren Armut des Großteils der Bevölkerung zum Ausdruck kommt, eine Faszination aus. Eine Faszination geprägt von Bewunderung wie Respekt, aber vor allem von Demut und manchmal auch ganz einfacher kritischer Betrachtung der eigenen Lebensgestaltung.
"Live for Love", "Leben für die Liebe", die Intention und das Charisma, das unsere Schwestern jeden Tag aufs Neue als gelebte Nächstenliebe aus ihrem christlichen Glauben leben, durften wir ganz unmittelbar und hautnah erleben. Ein wunderbares und prägendes Erlebnis.
Der Abschied von unseren Schwestern fiel uns allen nicht leicht, zumal wir erst in zwei Jahren wieder zurückkommen werden, nach Afrika, nach Äthiopien, zu Euch. Und deshalb begleitet uns eine Botschaft, die die Helpers of Mary uns schon oft mit auf den Weg gegeben haben:
We part to meet again

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Reisebericht Indien: 25. Januar bis 03. März 2014

Reisebericht Indien – Andreas Oevermann 25.Januar 2014- 03. März 2014 Vier Tage zuvor saß ich noch im Prüfungssaal des Justizministeriums in Düsseldorf und versuchte mit meinen Referendarkollegen, einen mürrischen Oberstaatsanwalt a.D von unserem rechtlichen Können zu überzeugen. Dies gelang einigermaßen und so konnte ich als frischgebackener Volljurist das Ministerium verlassen, leicht fluchend auf das Ausbildungssystem, aber voller Vorfreude auf die nächsten Wochen.
Jetzt stand ich wieder in Düsseldorf mit meinen Rucksack und wartete auf mein Flugzeug, welches mich über Dubai nach Delhi bringen sollte.
Die Reisewunsch mit Ziel Indien war durch zahlreiche Dokumentationen und Zeitungsartikel geweckt worden. Da ich schon vorher Mitglied in der Bartholomäus-Gesellschaft war, fragte ich bei Adnen und Inge, ob ich nicht auch die Schwestern besuchen und mir deren Arbeit aus nächster Nähe ansehen könnte.Die Freude darüber war natürlich groß und es wurde alles per Mail mit den Marys abgeklärt.

Delhi

Die Ankunft in Delhi war recht spannend, da der Fahrer meiner Unterkunft wohl das Flughafengebäude nicht betreten durfte und ich darum dachte, daß ich vergessen worden war. Die führte zu einem „ Na, das fängt aber gut an“. So ging ich aus dem Gebäude um mir ein anderes Taxi zu besorgen, und auf einmal stand dort mein Fahrer mit meinem Namensschild.
Der Fahrer bedeutete mir dann mehrmals auf der knapp 45minütigen Fahrt, daß heute einige Straßen gesperrten seien und er einen kleinen Umweg fahren müsse. Diesen Satz hörte ich nicht zum letzten Mal von einem Taxifahrer.
An der Unterkunft angekommen stellte ich fest, daß ich mit dem Main Bazaar ein sehr quirliges, lebendiges und schäbiges Viertel ausgesucht hatte. Auf der Straße waren einige Straßenverkäufer, die von allerlei kleinen Snacks bis zum normalen Touristensouvenir alles mögliche anboten.
Glücklicherweise konnte ich über einen Mitarbeiter meiner Unterkunft ein Handy und eine Simcard besorgen, so daß ich nach einem Tag erreichbar war. Dies scheint sonst schwieriger zu sein. Auf jeden Fall freuten sich zwei deutschen Backpacker am Ende meiner Reise sehr über die Überlassung der Simcard, da Sie nach vier Tagen immer noch keine Simcard kaufen konnten. Dazu muß man wissen, dass aufgrund der Terrorgefahr die Behörden sehr streng sind und bei Ausländern alles sehr genau überprüft wird. So musste ich in jedem Hostel meinen Ausweis kopieren lassen und die letzte und nächste Reiseetappe angeben. Diese Gästelisten werden dann einmal pro Woche von der Polizei kontrolliert.
Nach dem ich mich an die Gerüche und die Lautstärke des Main Bazaars gewöhnt hatte, machte ich mich mich auf den Weg zum India Gate, an dem die letzten Überreste der Armeeparade vom Vortag abgebaut wurden. Am Connaught Place konnte ich mich gegen die Touristenschlepper wehren, die erst sehr freundlich daherkommen. Nachdem man aber mehrfach bestätigt hat, daß man keine Bus-oder Zugreise über sie buchen möchte, muss man sich doch ein paar unfreundliche Worte auf Hindi anhören. Die Jungs haben es aber auch drauf, da muss man sich schon in Acht nehmen.
Leider bin ich dann am nächsten Tag einem Touristenführer im Lhodi Garden auf dem Leim gegangen, der mich erst „for free“ führte und sich über ein Trinkgeld 100 Rupien bitterlich beschwerte und schimpfte, so daß ich nur mit weiteren 200 Rupien besänftigen konnte. Leider standen wir ein bißchen abseits, so daß es doch ein wenig mulmig war und ich die diplomatische Lösung wählte.
Das Glück führte mich dann noch in die Rushhour der Metro, die noch dadurch getoppt wurde, daß jeder U-Bahnkunde einzeln durch einen Metalldetektor musste. Aber hey „that is India“. An solchen Umstände konnte ich mich dann im Laufe der Reise schnell gewöhnen. Irgendwann konnte ich auch einen relativ fairen Preis für Autorikschafahrten aushandeln, der sich sich zwischen „Mehr als ein Inder“ und „keine Touristenabzocke“ bewegte.
Am dritten Tage durfte ich dann mit der Freundin einer Bekannten in das Slum Kathputli. In Delhi ist es als Künstler- und Musikerslum bekannt. Die Freundin arbeitet für ein NGO-Projekt, welches sich um die Slumbewohner kümmert. Der Gang durch das Slum bereitete mir zum ersten Mal leichte Bauchschmerzen, da ich die Sicherheit nicht wirklich abschätzen konnte. Wir trafen uns dort mit einer Art Ältestenrat bestehend aus den verschieden Ethnien im Slum, dort wurden wir sehr freundlich begrüßt, so daß jegliche Sorge verschwand. Ich saß dann auf dem Platz auf dem kurz zuvor noch Manu Chao saß, der das Slum eines seiner Bongotrommler besuchte und verfolgte die Gespräche der Männer mit meiner Bekannten. Plötzlich stürmte ein junger Mann in die Runde. Der Sohn eines der Ältesten war von der Polizei festgenommen worden wegen des Verdachtes eines Raubes mit seinem Motorrad. Mir wurde dann erklärt, daß dieser Sohn sein Motorrad verliehen hatte und dieser unschuldig sei. Dies schien mir nach 3 Monaten Referendarstation bei einem bekannten Lingener Strafverteidiger plausibel.
Die Männer machten sich auf jeden Fall auf den Weg zur Polizei und uns blieb nichts anderes übrig, als die Gespräche abzubrechen und nach Hause zu fahren. Gerne hätte ich noch gewusst, was die Männer gedenken zu tun, wenn die Regierung sie tatsächlich in die großen Hochhäuser am Stadtrand schickt, weil Investoren das Land kaufen wollen.
Den Besuch in Old Delhi habe ich zugunsten des Slumbesuchs nicht gemacht, so daß mir für meine nächste Tour noch einige Sehenswürdigkeiten bleiben.

Agra

Am nächsten Morgen ging es dann per Zug, der erstaunlich leer war, nach Agra, um das Taj Mahal und das Red Fort zu sehen. Und was soll man sagen, das Taj Mahal ist wirklich ein großartiges Gebäude, diese Reinheit und Sauberkeit habe ich sonst in Indien nicht vorfinden können. Ein anderer Backpacker erzählte mir in Jaislemer von seinem Fehler den Stopp in Agra an einem Freitag eingeplant zu haben. Da das Taj Mahal auch eine riesige Moschee beherbergt, ist an diesem Tag der Eintritt für Nicht-Muslime verwehrt.

  • Vor dem Taj Mahal Vor dem Taj Mahal

    Vor dem Taj Mahal

Nach dem Besuch am Taj Mahal kann ich auch nachfühlen, wie sich ein VIP unter vielen Menschen fühlt. Mit meinen knapp 1.95 m überrage ich doch viele Inder um ein paar Zentimeter. Immer wieder wurde ich von Indern angesprochen, ob ich ein Foto mit ihnen machen könnte, was ich diesen zur Freude immer bereitwillig tat. Mal schauen, ob und wann ich in den Untiefen des Internets mit diesen Fotos zu finden bin.
Am nächsten Tag ging es dann früh zum Bahnhof, um nach Jaipur in die pinke Stadt zu fahren. Leider verspätete sich mein Zug von erst 10 Minuten um geschlagene 6 Stunden. Zum Glück fand ich in dem Mathematikprofessor Robert aus San Francisco einen unterhaltsamen Gesprächspartner.
Dieser lustige Kauz reiste mit über 200!! Powerriegel, da er sich aufgrund der Angst vor einer Magenproblematik nicht an das indische Essen trauen wollte.
Ich selber fand das indische Essen großartig, auch wenn ich die ersten zwei Wochen fast nur vegetarisch gegessen habe, die unglaublichen Würzungen lassen das Fleisch vergessen. Mein Magen konnte auch den schärfsten indischen Speisen widerstehen.Darüber war ich nach anderen Reiseerfahrungen anderer Freunde sehr glücklich.

Jaipur

Hier fiel mir zum ersten Mal auf, daß das Spaziergehen für Inder eine unbekannte Art der Fortbewegung sein muss, denn alle 100m hielt ein Taxi, Auto-oder Rikschafahrer an meiner Seite und wollte mich zu allen möglichen Orten bringen. Ich lehnte aber freundlich ab, da ich die Stadt per pedes erkunden wollte.
Jaipur hat viele verschiedene Handwerksquartiere, so findet man in bestimmten Straßen nur Klempner oder Tischler, woanders wieder nur Bildhauer und Fahrradmechaniker. Besonders imposant ist dort das Amber Fort das hoch am Berg liegt. Dies war sicherlich mein Lieblingsfort in Indien, eine wahrlich herrschaftliche Residenz.

  • Fort in Jaipur Fort in Jaipur

    Fort in Jaipur

Nach zwei Tagen ging es dann per Nachtbus (nichts für Leute mit Rückenleiden) nach Jaiselmer, beim Warten auf den Bus habe ich mich lange mit indischen Studenten über unsere unterschiedlichen Kulturen unterhalten. Leider habe ich den Zettel mit deren Mailadressen irgendwo auf der Reise verloren, das ärgert mich noch heute.

Jaisalmer

Jaisalmer erkundete ich mit zwei Holländern, die ich auf der Busfahrt kennenlernte, mit denen wurde der erste Abend dort sehr lustig, da wir unserem Kellner alle möglichen Arten zum Bieröffnen zeigen mussten. Sollte also jemand von Ihnen in Jaisalmer einen Kellner treffen, der auf mehrere Arten Ihr Bier öffnet, dann wissen Sie woher er die Tricks hat.
Da Jaisalmer ein Wüstenort ist, ließ ich es mir nicht nehmen mit drei griechischen Backpackern aus meinem Hostel eine Kameltour zu buchen, so daß wir die nächste Nacht unter freiem Sternenhimmel in der Wüste verbrachten. Zum Glück hatten wir nur die 1-Nacht-Tour gebucht, wer jemals auf einem Kamel geritten ist, weiss was ich meine.

Jodhpur /Udaipur

Weiter ging es in die "blue city" Jodhpur. Dort blieb ich aber nur eine Nacht, da die Zeit ein wenig drängte und ich über Udaipur endlich zu den Marys nach Mumbai wollte.
In Udaipur angekommen traf ich in meinem Hostel auf Mete und Dagmar, die gerade für World Vision mit dem Rad um die Welt fahren (www.alpaysontour.com). Nach einem kalten Bierchen gingen wir ein unglaublich gutes Restaurant, welches uns vergessen ließ, daß ein Besuch im Restaurant auf dem See in Udaipur nicht in unser Reisebudget paßte. Udaipur fand ich von den Städten in Rajasthan am schönsten, eine Stadt, die auf einer Reise durch Indien nicht fehlen sollte. Leider schaffte ich es zeitlich nicht nach Varanasi, so daß ich diese Stadt auch nochmal besuchen muss. Allerdings blieb mir so der Anblick und Geruch von verbrannten Leichen erspart. Jeder den ich traf und der in Varanasi war, war hellauf begeistert, da man dort wohl die indische Kultur sehr Nahe gebracht kommt.

Mumbai 1

Endlich war es soweit, ich würde die Schwestern treffen. Leider kam ich mitten des Sonntaggottesdienstes, so daß ich erst mal ein wenig warten musste, bis ich die Kinder und die Marys begrüßen konnte.
Ich wurde sehr herzlich begrüßt und die Mädchen des Kinderheims sprangen sofort um mich rum.
Ohne die entsprechende Technik zu beherrschen tat ich es den Schwestern beim Mittag gleich und versuchte mit der Hand zu essen,.Nach einer kleine Technikkorrektur durch Sr. Bridget, der Leitern der Kinderheims, klappte so die Nahrungsaufnahme recht gut.
Mir wurden in den nächsten Stunden der gesamte Compound gezeigt, so daß ich Einblicke in das Kinderheim, das Altenheim, den Kindergarten, die kleine Klinik und die Näh- und Klassenräume bekam. Besonders beeindruckte mich, daß die Schwestern zwischen all dem Dreck und dem Lärm vor dem Tor eine solche Oase geschaffen haben. Das Gebiet um den Compound wird stark bebaut, so daß die Schwestern in ein paar Jahren wohl zwischen Hochhäuser leben müssen. Dann muss sich auch die Minislumkolonie auflösen, die sich an der Grenze zum Compound gebildet hat. Dort helfen die Schwestern auch mit dem Nötigsten.
Am späten Nachmittag traf ich mich noch mit meiner Bekannte Vanita, die Freundin meines Kumpels Christian, die zufälligerweise ganz in der Nähe des Compounds ihre Schwester besuchte.
Am nächsten Tag führte mich Sr. Nancy in das Slum Malaui, wo ich mich über die Arbeit der Schwestern informieren konnte. Wir besuchten eine Nachhilfeklasse, die mich mit allerlei Liedern begrüßte. Immer wieder bekam ich Hefte vorgezeigt, damit ich deren gute Noten loben konnte
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  • im Slum im Slum

    im Slum

  • in der Schule in der Schule

    in der Schule

  • in der Schule in der Schule

    in der Schule

Dann ging es zu den Frauengruppen, die die Schwestern mit aufgebaut haben. Die Frauen unterstützen sich bei Problemen finanzieller und emotionaler Art. Sehr beeindruckend, daß die Frauen sich dort in diesem Slums auch gegen den Willen Ihrer Männer unabhängig zu machen.
Auch das Slum Vakola konnte ich besuchen. Das Slum Vakola liegt direkt am Flughafen, dort war es viel dreckiger und ärmer als in Malaui, obwohl solche Steigerungen schwerlich möglich sind.
Viele Baracken liegen einen halben Meter unter der Straße, so daß ich nicht wissen möchte, wie es dort zur Monsunzeit aussieht. Auch hier wurde ich fast staatsmännisch begrüßt, eine Schwester abt mich Bananen und Kekse zu verteilen. Dies ließ doch ein sehr merkwürdiges Gefühl in mir aufkommen, denn eigentlich sah ich mich als Freund dieser Kinder und nicht als „reicher weißer Mann“, der Ihnen mit kolonialistischer Geste Bananen schenkt. Meine Gedanken hierzu sind noch nicht abgeschloßen....
Nach einem weiteren sehr schönen Tag unter den Schwestern und den Kindern, die mir versuchten ein paar Brocken Hindi beizubringen, verabschiedete ich mich von diesen liebevollen Frauen und fuhr mit dem Vorortzug zu dem Abfahrtspunkt meines Busses nach Goa.

Goa

Nach anstrengender Busreise, stellte ich erst mal fest, daß mein gebuchtes Hostel überfüllt war, so daß mich der Besitzer an einen Kollegen um die Ecke verwies. Leider sagte ich sofort zu, da ich einfach nur schlafen wollte, denn leider ließ mich ein indischer Trunkenbold im Bus nicht schlafen.
Das recht karge Zimmer diente mir dann doch nur für eine Nacht als Unterkunft, da wollte ich die nun anstehenden Strandtage, bevor es zu Sr. Alphona in Rivona ging, nicht verbringen. Ich stockte meine Reisebudget kurzerhand auf und gönnte mir für zwei Nächte ein richtiges kleines Hotel mit Pool. Der Tag bestand für die nächsten beiden Tagen aus Strand, Büchern, Essen und kühlem Bier.
Da mich nicht nur die die religiöse und gesellschaftliche Struktur Indiens interessierte, führte mich meine Fußballleidenschaft zu einem Fußballspiel der ersten indischen Liga. Mit verschiedenen Kleinbussen kam ich nach 2,5 Stunden in Vasco an und holte mir ein Ticket für umgerechnet 50 Cent. Die Zuschauermenge belief sich auf knapp 1000 Menschen, die jedoch keine große Regungen zeigten. Die Qualität der mit ostasiatischen Spielern gespickten Mannschaften würde ich wohlwollend mit Regionalliganiveau beschreiben. Auf jeden Fall hatte ich ein für mich wichtiges to-do auf der Reise erledigt. Jetzt konnte es erneut zu den Schwestern gehen.
Sehnsüchtig wurde ich schon von Sr.Alphonsa in Rivona erwartet. Hier unterhalten die Schwestern ein Kinderheim und ein Heim für HIV-positive Kinder. Mit ein wenig Viehzucht und Kokusnussanbau versuchen sich die Schwestern zumindest zum Teil selber zu versorgen. Leider war letztes Jahr die Ernte sehr schlecht, so daß sie dieses Jahr einiges dazukaufen mussten.
Ich durfte im Kinderheim ein paar Computerstunden geben, da ich mich auch irgendwie einbringen wollte. Die Mädchen waren sehr wissbegierig, und als ich den Mädchen zeigte wie man nach Filmstars googelt, hatte ich die Aufmerksamkeit vollends auf mich gerichtet.
Sr. Alphonsa zeigt mir noch den Geländewagen und die Bohrstelle, die durch die Past Perfect-Konzerte eingespielt werden konnten. An einem Sonntag kamen Jugendliche einer dort ansässigen Gemeinde, die auch die Kinder dort unterstützt, und es wurde viel gesungen, getanzt und gelacht.
Ich erlebte hier drei wundervolle Tage unter den Schwestern, die mir den Aufenthalt zu einem unvergeßlichen Erlebnis machten. Leicht wehmütig verabschiedete ich mich.

  • Andreas und Sarah Andreas und Sarah

    Andreas und Sarah

  • Sr. Alphonsa mit dem neuen Auto Sr. Alphonsa mit dem neuen Auto

    Sr. Alphonsa mit dem neuen Auto

  • im Kinderheim im Kinderheim

    im Kinderheim

Weiter ging es dann in zwei weitere kleine Strandorte, wo ich nach dem quirligen Leben in Rivona wieder abschalten konnte. Ich unternahm eine Motorrollertour und ein Litauer gab mir meine ersten Surfstunden. In Goa trifft man traditionell viele Israelis, die dort nach ihrer Armeezeit Entspannung und oft auch Drogen suchen. Aber es scheint auch in Goa alles ein wenig strenger geworden zu sein, so daß man kaum unter Drogen stehende Exsoldaten zu Gesicht bekam.
Was mich dann doch ein wenig überraschte, daß so viele russische Urlauber nach Goa kommen. Die meisten Speisekarten in den Restaurants waren neben englisch auch auf russisch gedruckt. Alles in allem ist Goa ein toller Fleck in Indien, aber auch dort gilt es das ständig präsente Müllproblem zu beseitigen.

Mumbai 2

Nach Goa ging es nochmal nach Mumbai, da ich beim ersten Besuch nur bei den Schwestern war ohne etwas von der Stadt zu sehen. Außerdem hatte ich mich mit meinem Freund Christian verabredet, der mir ein wenig Mumbai zeigen wollte. Christian ist Doktorand und betreibt Armutsforschung in der Nähe von Mumbai.
Wir besuchten das Gate of India und das Taj Hotel, sowie das Börsenviertel. Gerade in der Downtown kam man die alten viktoriansichen Einflüsse bewundern.
Am Tag vor der Abreise fuhr ich dann noch per Schiff nach Elephanta Island, vom Schiff aus konnte man die mächtige Kulisse der Wolkenkratzer Mumbais bestaunen. Die kleinen Insel eine Bootsstunde vor Mumbai. Diese Insel beherbergt alte Höllen in die vor knapp zweitausend Jahren riesige hinduistische Götterfiguren geschlagen wurden.

  • Krankheit Krankheit

    Skulptur

  • Krankheit Krankheit

    Straßenbild

Reisefazit

Dies alles ist tatsächlich nur ein Teil meiner Reise gewesen, ich habe noch einige interessanten Menschen getroffen und noch einiges mehr gesehen und erlebt. Aber ich möchte Ihnen nicht alles beschreiben, vielleicht wollen Sie sich ja mal selbst in ein Flugzeug Richtung Indien setzen. Falls Sie einen jungen Menschen kennen, der überlegt eine Rucksacktour zu machen, aber ein wenig zögert, dann bestärken Sie ihn darin, ganz egal, ob es nach Asien, Südamerika oder Afrika geht. Denn sich vor Ort ein Bild von der Welt zu machen, kann keine Dokumentation und keine Reiseerzählung ersetzen.
Auch wenn die Reise mit dem Rucksack durch Indien zum Teil sehr beschwerlich war, so bin ich doch nach dieser Tour sehr von unser Unterstützungsleistung überzeugt. Wir unterstützen dort großartige Menschen, die dort sehr wichtige und selbstlose Arbeit leisten. Mir selber war wichtig zu sehen, daß auch wenn unsere Organisation katholisch geprägt ist und katholische Schwestern unterstützt, bei den Hilfsbedürftigen kein Unterschied gemacht wird, welcher Religion und welcher Ethnie er angehört. Wie sich dies in Gedanken der einzeln Schwestern darstellt, kann ich nicht wirklich beurteilen, aber ich glaube, es liegt vielmehr humanistischer und altruistischer Geist bei unseren Marys, als bei manchem theologisch verkopften Kirchgänger in Deutschland.
Mir scheint als haben die Schwestern in ihrer Ausbildung Erich Kästner genossen:
„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“

Andreas Oevermann, Köln im Dezember 2014

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Besuch in Indien über den Jahreswechsel 2013/2014

Seit vielen Jahren besteht zwischen einigen Mitgliedern des Vorstandes der Bartholomäus Gesellschaft und dem apostolischen Nuntius für Äthiopien und Djibouti, Archbishop Dr. George Panikulam (auch Vertreter des Vatikan bei der Afrikanischen Union) eine enge Freundschaft.
Der Apostolische Nuntius ("päpstlicher Botschafter") ist der ständige Vertreter des Heiligen Stuhles (also des Papstes als Völkerrechtssubjekt) bei der Regierung eines Staates. Er nimmt darüber hinaus auch die Interessen des Staates Vatikanstadt wahr und vertritt den Papst als Kirchenoberhaupt gegenüber den Ortskirchen des entsprechenden Landes.

Jahreswechsel Bild 01

Dr. George Panikulam mit Marys in Addis Abeba

Begonnen hatte diese Freundschaft vor vielen Jahren bei einem der Besuche in Addis Abeba, Äthiopien im Haus der Helpers of Mary. Der Nuntius wurde uns als väterlicher Freund der Schwestern vorgestellt, der glücklicherweise aufgrund seiner Herkunft die Muttersprache der meisten indischen Schwestern spricht und dank seines beruflichen Status das Leben der Schwestern in Äthiopien etwas erleichtern kann.

Jahreswechsel Bild 02

Zu Besuch in der Nuntiatur in Addis Abeba

Seinen Heimaturlaub verbringt Dr. George Panikulam über den Jahreswechsel regelmäßig bei seiner Familie in Indien. Schon mehrfach hatte er uns eingeladen, ihn in Indien zu besuchen. In diesem Jahr konnten wir (Inge Spratte-Marzouk, Adnen Marzouk und Bernd Pulsfort) diese Einladung endlich annehmen und besuchten ihn im Bundesstaat Kerala, an der Malabar Küste im Südwesten Indiens.
Vom Flughafen Amsterdam ging unsere Reise via Dubai nach Bombay, wo wir nur für eine Übernachtung blieben und dann weiter mit dem Flugzeug nach Kerala. Auf dem Rückweg waren wir dann erneut Gäste bei unseren Schwestern in Andheri.

Jahreswechsel Bild 03

Kerala gehört zu den am dichtesten besiedelten Regionen Indiens. Hauptstadt ist Thiruvananthapuram, das ehemalige Trivandrum. Der Name Kerala bedeutet wörtlich „Land der Kokospalmen“. Kerala ist ein grünes Land mit ca. 35 Millionen Einwohnern, ein Garten Eden mit geradezu überbordender tropischer Natur. Saftig grüne Reisfelder, Kaffee-, Tee- und Kautschukplantagen, der Anbau von Gewürzen (Pfeffer, Kardamon uvm.) und Nüssen der unterschiedlichsten Art bestimmen im Wechsel mit Kokospalmen und exotische Früchte tragenden Bäumen das Landschaftsbild. Fischerboote und die markanten "Chinesischen Fischernetze" fügen sich harmonisch in dieses Gesamtbild ein. Die Lagunen, Seen, Flüsse und Kanäle der an der Malabarküste gelegenen Backwaters, die im Osten unmittelbar an die dichtbewaldeten Bergzüge der wasserreichen Westghats grenzen, sind beeindruckend und faszinierend.
Neben dieser landschaftlichen Schönheit beeindruckt Kerala aber insbesondere - und das unterscheidet diesen Bundestaat von vielen Teilen des indischen Subkontinents - durch seine wirtschaftliche, soziale und bildungsentwickelte Situation. Das Land ist im Vergleich zu Gesamtindien relativ weit entwickelt. Die Alphabetisierungsquote liegt bei Frauen wie bei Männern über 90%, die Kindersterblichkeit ist geringer und die Lebenserwartung ist höher. Bittere Armut und deren unmittelbarer Ausdruck in Form von Slums sind weniger anzutreffen. Die Menschen mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit (ca. 55% Hindus, 25% Muslime, 20% Christen) leben hier friedvoll und in gegenseitiger Toleranz miteinander.
Kaum ein anderes Bundesland Indiens hat solch eine lange christliche Tradition wie Kerala, was an den unzähligen Kirchen und christlichen Gemeinden immer wieder deutlich wird. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass viele Schwestern der Marys aus Kerala stammen.

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Unser Besuch in Kerala war von George aufs Sorgfältigste geplant.
So besuchten wir Kochi (Cochin), die zweitgrößte Stadt Keralas, die aus vier Inseln und zwei Halbinseln besteht. Die Fähre ermöglicht problemloses "Insel-hopping".

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Weiterhin fuhren wir in die besagten Backwaters, dem Seen- Lagunen- und Flussgebiet, das sich von Kochi bis Kollam erstreckt. Auf diesem Ausflug begleitete uns zu unserer aller Freude Schwester Alphonsa, die ebenfalls ihren Heimaturlaub in Kerala verbrachte.

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chinesische Fischernetze in den Backwaters

In einer von den Dorfbewohnern in jahrelanger Eigenarbeit erbauten und eingerichteten Kirche nahmen wir in der Nähe von Thrissur an einer Priesterweihe teil und trafen dort einige unserer Marys. Hunderte von Menschen, ja das gesamte Dorf war auf den Beinen um dieses Ereignis zu feiern, denn seit acht Jahren hatte es keinen neuen Priester mehr aus dieser Gemeinde gegeben. Um diese Weihe zu würdigen wurde auch nach dem 4-stündigen Gottesdienst für alle Dorfbewohner in der glühenden Sonne ein gemeinsames Mittagsmahl auf dem Kirchplatz ausgegeben, nachmittags, nach der Andacht wurde ausgelassen gefeiert, getanzt und immer wieder gemeinsam gebetet.

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Beeindruckend war auch der Besuch in Kodungallur, Kerala.
An dieser Küste soll der Apostel Thomas im 1. Jahrhundert erstmalig in Indien gelandet sein. Die St. Thomas-Christen, auch syrischen Christen oder Nasrani, sind eine alte ethnisch-religiöse Gemeinschaft der Christen aus Kerala, die ihre Ursprünge auf die evangelistische Tätigkeit des Apostel Thomas zurückführen. Ihre Sprache ist Malayalam , die Landessprache von Kerala.
In Anlehnung an diese geschichtliche Gegebenheit um den Apostel Thomas führt die Bartholomäus-Gesellschaft das Thomaskreuz auch als ihr Vereinssymbol.

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Mar Saint Thomas, Kodungallur

Die viel zu wenigen Tage in Kerala waren eine wunderschöne Zeit und wir können uns einem keralischen Sprichwort nur anschließen: "Kollam kandal illam venda" - Wer nach Kerala kommt, wird seine Heimat schnell hinter sich lassen. Aber - und das war ein wichtiges Ziel unserer Reise -, wir freuten uns schon ungemein auf das Wiedersehen mit unseren Schwestern in Andheri und brannten darauf Schwester Stella, die uns aus Äthiopien lange vertraut ist, als Generaloberin im Mutterhaus zu treffen.

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Sr. Stella Devassy, Generaloberin SHM

Die Wiedersehensfreude war auf beiden Seiten riesengroß.
Allerdings konnten wir unseren Spaß über die „neue Stella“ nicht verbergen. Sie, unsere Powerfrau im Churidar mit blauer Trekkingweste und Trekkingsandalen, stand uns im weißen Saree und mit Damensandaletten gegenüber - aber energisch und voller Tatendrang wie immer!
Wir hatten uns so viel zu erzählen, dass Schwester Stella sich einen Tag „frei“ nahm um mit uns nach Madh Island zu fahren.
Auf Madh Island befindet sich eines der Kinderheime der Helpers of Mary. Am 26.Januar konnte dieses Heim, "Prem Sadan", sein 50jähriges Bestehen feiern. Als wir es besuchten waren die Vorbereitungen nahezu abgeschlossen, lediglich eine gewisse Nervosität seitens der Schwestern zeugte von dem bevorstehenden Ereignis, dem "golden jubilee".

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In der familiären Umgebung konnten wir – gemeinsam mit Schwester Regina, die ebenfalls einige Monate in Äthiopien gewesen war -  ungestört Erinnerungen austauschen, viel lachen und über zukünftig geplante Projekte in Afrika und Indien sprechen.

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Die Zeit in Andheri vergingen wie im Fluge und die übrigen Tage verbrachten wir damit, einzelne Schwestern und nahe gelegene Stationen zu besuchen. Und ja, auch das gehört dazu, unsere Einkäufe wollten natürlich auch noch erledigt werden.

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Sr. Leela 

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Srs. Flori & Vidiya

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im Generalate

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Sr. Joanita

Am letzten Abend wurden wir von den Schwestern im Mutterhaus mit Gesang und guten Wünschen verabschiedet. Wie in jedem Jahr war die Zeit zu kurz um alles das zu tun, was wir uns vorgenommen hatten… Aber im nächsten Jahr…!

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Reisebericht Kenia 2011

Im August 2011 besuchte unsere Gruppe (Barbara, Inge, Adnen, Bernd; Vera ist schon seit Tagen in Addis) die Schwestern in Kenia. Unsere Reise führte uns in Verbindung mit Besuchen in Addis Abeba und Arramo in Äthiopien nach Nakuru.
Eigentlich war diese Reise nach Kenia gar nicht für 2011 geplant, aber die Ereignisse, die sich über Ostern in Nakuru zugetragen hatten, weckten in uns das Bedürfnis, den Schwestern nach schrecklichen und bedrohlichen Erlebnissen Beistand zu geben.

  • Drei Schwestern Drei Schwestern

    Schwester Alphonsa, Schwester Benny, Schwester Ujwala


Zu den Geschehnissen:
Am Ostermontag 2011 wurden Schwester Alphonsa, Benny und Ujwala Opfer eines Raubüberfalles. Gegen Mitternacht drangen mehrere Einbrecher in die Station in Nakuru ein und raubten die Schwestern unter Gewaltanwendung aus. Die Herausgabe von Laptop, Fotokamera, Uhren, Mobiltelefonen und einer kleinen Geldreserve verhinderte das Schlimmste. Die Schwestern bangten um Leib und Leben, die Angst vor Vergewaltigung war gross.
Kenia ist ein Land in dem eine hohe Kriminalitätsrate besteht. Bewaffnete Raubüberfälle sind keine Seltenheit. Schon mehrfach sind Ordensfrauen und Priester in den letzten Jahren Opfer derartiger Überfälle geworden. Einige verloren dabei ihr Leben. Behördliche und polizeiliche Ermittlungen verlaufen regelmässig im Sande, Schutz und Prävention gestalten sich "bescheiden".
Die Schwestern sind durch diese Erlebnisse stark traumatisiert, jeden Abend kommt die Angst hoch, jedes noch so kleine ungewöhnliche Geräusch lässt sie hochschrecken. Die Nächte sind ein Grauen.
Aufgrund dieser schrecklichen Berichte versprachen wir unseren Schwestern sie im Sommer zu besuchen. Beistand und Anteilnahme wollten und konnten wir ihnen zu Teil werden lassen, das erscheint nicht als sehr viel, erwies sich jedoch als ungemein wichtig.
Es ist keine Übertreibung zu beschreiben, daß den Schwestern bei den Schilderungen des Erlebten die Stimmen dünn wurden. Alles kam in ihnen wieder hoch. Alles war sofort wieder so unmittelbar gegenwärtig. Uns zitterten als Zuhörer die Knie. Ja, die Gespräche taten ihnen gut, aber zur Verarbeitung bedarf es noch eines weiten Weges.
Seitens der Bartholomäusgesellschaft war bereits unverzüglich, nachdem die Informationen über den Überfall eingingen, erste finanzielle Hilfe zur Verbesserung der persönlichen Sicherheit, sowie der Sicherheit der Station in Nakuru geleistet worden.
Es bedarf somit nicht der besonderen Erwähnung, dass wir auf`s herzlichste bei unserem zweiten Besuch in Kenia empfangen wurden. Wir hatten sofort das Gefühl eine Familie und zu Hause zu sein. Die Sicherheitsvorkehrungen in Nakuru waren schon sichtlich verbessert worden. Tore, Fenster und Türen wurden mit zusätzlichen Gitterkonstruktionen versehen und ein Watchman ist zum Schutz eingestellt worden. Bewaffnet mit giftpräparierten Pfeilen und Bogen (Schusswaffenlizenzen sind in Kenia nicht bezahlbar) hält ein Mann von 190 cm Körpergrösse in der Nacht lautlos und mit höchster Aufmerksamkeit Wache.

Watchman

Die Fortschritte in Nakuru beschränken sich aber nicht nur auf die Sicherheitsmaßnahmen. Viel eindrucksvoller sind die Fortschritte, die die Schwestern unter Leitung der neuen Oberin Sr. Alphonsa (bis dahin Oberin in Addis Abeba) im zurückliegenden Jahr geleistet haben.
Die ambulante Krankenstation ist fertig gestellt und macht einen hervorragenden Eindruck. Noch ist die Ausstattung nicht komplett. So fehlt es z.B. an einem Autoklaven (Sterilisationsgerät), aber die Arbeit in der Klinik konnte aufgenommen werden und Sr. Benny strahlt über das ganze Gesicht und ist über ihren Erfolg überglücklich, zumal die Krankenstation von der Bevölkerung gut angenommen wird, was durch die steigenden Patientenzahlen zum Ausdruck kommt.

  • Medikamente Medikamente

    Die Krankenstation

  • Sr. Benny Sr. Benny

    Medikamente

Die Sozialarbeit und Organisation von Frauengruppen macht grosse Fortschritte. Sr. Udjwala ist es zu verdanken, dass ein intensiver Kontakt zur Bevölkerung aufgebaut wurde. Es ist offensichtlich, dass unter ihrer Leitung eine Gemeinschaft entstanden ist und sie ein anerkannter wie hochgeschätzter Teil dieser Gemeinschaft ist. Es ist eine Freude zu sehen, wie ihre Leidenschaft Früchte trägt.

Treffen der Frauengruppe

Schwester Ujwala

Schwester Ujwala hat das erste Sparkonto der Frauen für Mikrokredite eröffnet. Die Frauen sind glücklich über ihre neu erworbene Selbstständigkeit.

Das Kinderheim, das Waisenhaus und die Schule werden von Sr. Alphonsa in beeindruckender und liebevoller Weise geleitet. Auch hier gibt es eindrucksvolle Fortschritte. Zur Zeit werden ca. 50 Kinder und Jugendliche betreut, ihnen ein Zuhause und familiäre Wärme gegeben. Sr. Alphonsa ist zu ihnen wie eine Mutter. Die älteren Kinder kümmern sich um die Jüngeren, die teilweise als Findelkinder im Säuglingsalter den Marys anheim gegeben worden sind. Dieses ist so ungemein beeindruckend und lässt das Charisma der Marys und ihr Handeln in Mutter Anna Huberta ganz unmittelbar erkennen und immer wieder aufs Neue bewundern.

Das Waisenhaus

Schlafräume

Die Geschichte eines Findelkindes, die wir bei unserem Besuch hautnah erleben durften, macht dieses ganz besonders deutlich:
Wir sind mit den Schwestern in Nakuru unterwegs, als Sr. Alphonsa ein Telefonanruf erreicht. Ein Kleinkind im Alter von ca. 9 - 12 Monaten, von der Mutter vermutlich ausgesetzt, ist von einem älteren Mann aufgefunden worden. Die Behörden sind bereits informiert. Wir fahren los, die Schwestern wollen sich um das Kind kümmern. Als wir den Ort erreichen, erleben wir ein erbärmliches und erschreckendes Bild. Auf einem Haufen Müll sitzt ein kleiner Junge, mutterseelenallein, apathisch, verdreckt. Sr. Alphonsa nimmt den Kleinen auf den Arm, er beginnt zu weinen und zu schreien. Nach ein paar Minuten gelingt es Sr. Alphonsa das Zutrauen des verängstigten Kleinen zu gewinnen. Er wird ganz ruhig. Irgendwie riecht etwas höchst unangenehm; nach Urin, nein besser gesagt: es stinkt. Die "Kleidung" des kleinen Stinkers ist klitschnass, vollgesogen mit dem Geschäft der letzten 2 Tage. Also schnell die triefenden Klamotten runter und dann die grosse Überraschung. Denn Er ist augenscheinlich gar kein Er, sondern eine Sie. Wir lachen herzlich und vergessen für einen Augenblick das Schicksal des Mädchens.

  • Muellbaby Muellbaby

    Das Müllbaby

Erste Kontaktaufnahme durch Sr. Alphonsa

Nachdem die behördlichen Formalitäten geklärt sind, geht es sofort zurück zur Station der Schwestern, wo die Kleine erst einmal widerwillig in den Genuss eines "Eimervollbades" und eines trockenen Kleidchens kommt. Danach das Wichtigste: Etwas zu Essen. Die Kleine ist zuerst unruhig und man spürt, dass sie nach einer, ihrer Bezugsperson sucht. Wir sind uns alle sicher sie spürt etwas ganz Besonderes, menschliche Wärme und Geborgenheit. Es ist ihr durch die Marys aufs Neue geschenkt worden.

"...eine Zukunft in familiärer Geborgenheit..."

Die erste Mahlzeit

Dieses Erlebnis hat uns sehr nachhaltig beeindruckt, weil dieses Mädchen eine Zukunft in familiärer Geborgenheit und Liebe haben wird. In diesem Augenblick hatten wir das Gefühl den Spirit Mutter Anna Hubertas und das Charisma der Marys ganz deutlich zu spüren.
Die Reise war ein wunderschönes und beeindruckendes Erlebnis, die herzliche und freundschaftliche Aufnahme bei den Schwestern ist unbeschreiblich. Die Entwicklung in Nakuru ist wirklich grossartig und die vorsichtige Skepsis, die wir beim ersten Besuch hatten, ist der Anerkennung gewichen.

  • Gruppenbild Gruppenbild

    Gruppenbild


Der Abschied von den Schwestern fiel allen sehr schwer, zumal sie immer noch im Gefühl der Angst und Bedrohung leben, aber Abschied nehmen heisst auch sich unter Gottes Segen und Fürsorge zu stellen und ganz bestimmt ein "Auf Wiedersehen".

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Reisebericht Indien 2011

Als wir den klimatisierten Eisenbahnwaggon verließen, wurde uns endgültig bewusst: Es war heiss, sehr heiss. Und im Nachhinein konnten wir uns nicht einigen, ob das Thermometer 43°C oder 45°C anzeigte. Wir, das waren Inge Spratte-Marzouk, Vera Hartke, Dr. Bernd Pulsfort, Christian Hartmann und Christof Wohkittel. Und das klimatisierte Eisenbahnabteil stand auf dem Bahnhof von Ahmedabad, einer Drei-Millionen-Einwohner-Stadt 400 km nördlich von Mumbai. Aufgebrochen war unsere kleine Gruppe aus Lingen, Osnabrück und Berlin schon ein paar Tage vorher. Wir trafen uns, aus Berlin und Düsseldorf kommend, auf dem Airport in Istanbul und flogen mit unserem Riesengepäck gemeinsam weiter nach Mumbai. Es gab, wie immer, einen herzlichen Empfang auf dem Airport, und wir nahmen früh morgens das Gästehaus der Marys in Beschlag. Zurück zum Thermometer: Es waren nur 29°C, als wir morgens um 5:00 Uhr endlich ins Bett fielen. Es war kurz vor Ostern, und alle Marys bereiteten sich auf diesen Höhepunkt vor. In den ersten Tagen waren wir viel rund um Mumbai unterwegs. Wir besuchten die Station Velholi, überbrachten Spenden in Assangaon und übernachteten bei Sr. Indumati in Thane.

  • Indienreise_1 Indienreise_1

    Kinder in Assangaon


Immer wieder trafen wir auf dankbare Kinder und Erwachsene. In jeder Station konnten wir uns vom Einsatz der Marys neu überzeugen und begeistern lassen. Überall wurden wir mit einer Herzlichkeit empfangen, die uns sprachlos machte. Nur der Blick auf das Thermometer trieb uns die Schweißperlen auf die Stirn: 35°C waren schon fast eine Abkühlung. Früh morgens fuhren wir dann in der Karwoche mit der indischen Eisenbahn in das besagte Ahmedabad. Wir waren die ersten Gäste, die diese Station der Marys besuchten.

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    Die Vertreter der Bartholomäus-Gesellschaft gemeinsam mit den Marys und einigen Frauen vor dem Haus in Ahmedabad


Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt hier auf der Ausbildung von Frauen und der Betreuung von Mädchen. Dazu besitzen die Marys u. a. mehrere Nähmaschinen, an der Frauen jeglicher Glaubensrichtung unter professioneller Begleitung geschult werden. Der Bedarf ist so gross, dass die Schwestern gerne noch eine grössere Räumlichkeit anmieten und zusätzliche Nähmaschinen anschaffen würden. Wir versprachen den Schwestern, uns für eine zusätzliche Unterstützung durch unsere Gesellschaft einzusetzen. Für die vielen, häufig unterdrückten Frauen sind die Marys vor Ort eine grosse Unterstützung. Wir blieben über Nacht in der heissen Stadt und hatten noch Zeit einige Attraktionen zu besichtigen. Der Nachtzug brachte uns zurück nach Andheri, und wir kamen pünktlich zu den Karfreitagsfeierlichkeiten an. Am Ostersonntag waren wir zu einem weiteren Höhepunkt geladen. Das neue Gebäude der Station Gangangaon sollte von Sr. Leela unter Anwesenheit von uns als Vertreter der Bartholomäus-Gesellschaft feierlich eröffnet werden. So hatte Inge Spratte-Marzouk gemeinsam mit der Oberin die Ehre, in einem feierlichen Akt das Band zu durchschneiden.

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    Inge Spratte-Marzouk eröffnet gemeinsam mit Sister Leela das neue Gebäude.


Die Bewohner der Region hatten für die Einweihungszeremonie kilometerlange Fussmärsche zurückgelegt und drückten damit ihre Dankbarkeit für dieses schöne neue Schulgebäude aus. Der Ostermontag, der in Indien kein Feiertag ist, endete mit der Feier eines Ordensjubiläums. Sechs Sisters hatten ihr 25-jähriges Jubiläum und feierten dieses in Andheri mit allen Anwesenden. Beeindruckend waren für uns die Tänze und die Theateraufführungen – nicht für die Jubilanten, sondern von ihnen extra einstudiert. Mit diesen tollen Eindrücken bestiegen wir dann den Flieger gen Heimat. "God bless you, sisters."

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Reisebericht Kenia und Äthiopen 2010

Liebe Freunde,

unsere Reise nach Kenia und Äthiopien zu den Marys liegt nun schon wieder über vierzehn Tage zurück. Noch sind die Eindrücke frisch, und ich möchte euch kurz über die wichtigsten Eindrücke berichten.
Zunächst Kenia: In Nakuru leiten die Schwestern Asha, Benigna und Ujwala eine Station am Stadtrand, zu der ein Waisenhaus mit ca. 30 Jungen gehört. Geplant sind der Aufbau eines Hospitals/Dispensary sowie die Gründung von Frauengruppen und Gebets-/Solidaritätsgruppen im Umland. Noch steckt alles in den Anfängen. Unsere Eindrücke waren ambivalent, d. h. abwarten und schauen ...
Ein Höhepunkt in Äthiopien war natürlich die Einweihung des neuen Hauses in Addis Abeba am 17. Juli 2010 durch den Nuntius Erzbischof Dr. George Panikulam, den Erzbischof von Addis Abeba, den Weihbischof von Addis Abeba, den Bischof von Awassa, die Schwestern Leela und Indumati sowie zahlreiche Honoratioren. Es ist ein schönes, geräumiges und gut konzipiertes Haus geworden, nicht zuletzt dank der Hilfe von Professor Karl-Heinz Bosman, der mit Rat und Tat den Marys zur Seite gestanden hat.
Die laufenden Arbeiten und Projekte (Schulen, Krankenhäuser, Elephantiasis-, Kropf-, landwirtschaftliche Programme usw.) laufen gut, auch wenn es manchmal finanzielle Engpässe gibt, da einige Spenderorganisationen sich aufgrund von Geldmangel plötzlich zurückgezogen haben. Hier mussten wir sofort mit 40.000 Euro einspringen, um "den Betrieb am laufen zu halten".
Neue grosse Herausforderung an die Marys ist die Hungersnot, die aufgrund mehrerer Dürrejahre in Ostäthiopien ca. sechs Millionen Menschen betrifft. Ca. 25 km von Sakko entfernt ist vor drei Monaten ein wildes Flüchtlingscamp mit ca. 6.000 Menschen entstanden, die von der Regierung und den Marys notdürftig betreut werden. Näheres könnt ihr dem beiliegenden Bericht "Lagaloumi darf nicht sterben" entnehmen.
Die Begegnung mit diesen Hungermigranten war sehr erschütternd, und wir sind uns mit Sr. Leela und den äthiopischen Marys darin einig, dass hier dringend etwas geschehen muss, um ein Massensterben zu verhindern. Als erstes brauchen ca. 770 Familien ein Dach über dem Kopf. Ein traditionell gebautes äthiopisches Haus (Hütte) kostet rund 250 Euro, also 200.000 Euro für das Gesamtprojekt. Ich hoffe, eure Gruppen können hier etwas beisteuern, ihr könntet z. B. für Hausbau-Patenschaften werben (Kennwort: "Hungerflüchtlinge Lagaloumi – Hausbau"). Fotos und aktuelle Texte werden bald auf unserer Website zu finden sein.
Ich hoffe, euch allen geht es gut! Die Marys aus Kenia und Äthiopien senden euch allen ihre herzlichen Grüsse.

Seid herzlich gegrüsst
Euer

Ernst

Weitere Informationen zum Lagaloumi finden Sie in unter Projekte:

Lagaloumi

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